Donnerstag, 9. September 2010
 
 
TERRAHIPP® - Ingwer

Ingwer

Ingwer als Pferdearznei. Ein altes Gewürz zeigt am Pferd eine neue Wirkung

Ein Gewürz in der Pferdefütterung? Manch einer mag darüber mit dem Kopf schütteln. Dennoch gibt es gute Gründe, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Die Fakten sprechen für sich. Zwar sind in der Pferdeheilkunde in den letzten 50 Jahren grosse Fortschritte erzielt worden, und es ist heute möglich, Verletzungen zu behandeln, die früher einem Todesurteil gleichgekommen wären.
Dennoch weist aber die ärztliche Heilkunst noch einige sehr deutliche Schwachstellen auf, die die Pharmaindustrie bis zum heutigen Tage nicht zu beseitigen vermochte.
Eine dieser Schwachstellen ist die Bekämpfung von Schmerzen und Entzündungen ohne schädliche Nebenwirkungen. Die bislang verfügbaren schmerz- und entzündungshemmenden Mittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (am bekanntesten bei den Pferdehaltern: Equipalazone) greifen alle nach bereits kurzer Zeit den Verdauungstrakt so stark an, dass deren Einsatz zeitlich beschränkt erfolgen muss und ein andauernder Einsatz bei chronischen Schmerzen, z.B. auch bei altersbedingten Verschleiss, ausgeschlossen ist.
Australische Wissenschaftler des Herbal Medicine Research and Education Centre und der University of Queensland haben nun mit einer Entdeckung aus Mutter Natur dazu beigetragen, diese Schwachstelle für viele Anwendungsfälle zu beseitigen: Sie fanden vor etwa zwei Jahren (sicherlich zum grossen Entsetzen der Pharmaindustrie), dass das Gewürz Ingwer bei Ratten das Schmerzempfinden herabsetzt und entzündungshemmend wirkt!
Bei Ingwer handelt es sich dabei um die Wurzel (das Rhizom) der schilfartigen Ingwerstaude (Zingiber oficinale), die von Indien bis China, in anderen Tropengebieten und auch in Afrika angebaut und vornehmlich als Gewürz frisch oder getrocknet gehandelt wird.

In ihren Untersuchungen fanden die Wissenschaftler auch, dass die Wirkungsweise des Ingwers nicht etwa homöopathischer Natur ist, sondern reiner Schulmedizin folgt: Bestimmte Inhaltsstoffe des Ingwers, vor allem die sogenannten Gingerole, die wesentlichen Scharfstoffe des Ingwers (englisch: ginger), docken an die gleichen Rezeptoren in den Zellen an, wie z.B. die nichtsteroidalen Antirheumatika Ibuprofen und Aspirin (und Equipalazone!). Dabei zeigt aber der Ingwer nicht die schweren Nebenwirkungen, die mit der Gabe der üblichen nichtsteroidalen Antirheumatika verbunden sind! Für Ingwer sind beim Menschen keine Gegenanzeigen bekannt. Überraschenderweise hat es sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass Ingwer bei Pferden sogar noch stärker schmerz- und entzündungshemmend wirkt, als bei Ratten.

(Uebrigens wirkt auch der Scharfstoff des Pfeffers, Capsaicin, schmerz- und entzündungshemmend, doch wirkt er im Gegensatz zu den Scharfstoffen des Ingwers in der zur Schmerz- und Entzündungshemmung erforderlichen Menge zerstörend auf die Schleimhäute!)

Bei Pferden, die zum ersten Mal mit Ingwer behandelt werden, ist es notwendig, ihn langsam anzufüttern. Englische Vollblüter und auch Trakehner können hier erfahrungsgemäss heikel sein. Man beginnt am besten mit etwa einem Gramm in etwa einem Kilo angefeuchtetem Quetschhafer. Bei der Fütterung von ungequetschtem Hafer, in dem der Ingwergeschmack stärker zur Geltung kommt, empfiehlt es sich, zusätzlich Mohrrüben oder Äpfel beizufügen. Die nächsten Male kann man auf 3 Gramm, dann 5 Gramm usw. steigern. Es ist vermutlich hauptsächlich der Geruch und weniger die Schärfe, der die Pferde anfangs irritiert. Pferde scheinen allgemein wenig Geschmackssinn für Schärfe zu besitzen. (Dies ist z.B. auch daran erkennbar, dass sie auch Knoblauch fressen.) Spätestens, wenn sie merken, dass der Ingwer ihnen hilft, sind einige Pferde sogar regelrecht „scharf“ darauf und einige fressen den Ingwer sogar unglaublicherweise pur! Bei späteren Behandlungen, wenn das Pferd den Ingwer bereits kennt, kann die Dosis sehr schnell hochgefahren werden.

Bei den allermeisten Pferden beträgt die tägliche Dosis, ab der eine starke schmerz- und entzündungshemmende Wirkung zu beobachten ist, etwa 3 Gramm (getrocknet) pro 100 Kilo Körpergewicht bei einer Ingwerqualität mit etwa 2,5% Scharfstoffgehalt. Für ein 500 Kilopferd sind das also etwa 15 Gramm am Tag.

Wie beim Menschen auch, kann die Dosis jedoch auch individuell verschieden sein, also geringer oder höher. Die 15 Gramm für ein 500 Kilopferd sind jedoch ein sehr guter Richtwert. Wenn man die geschätzte Dosis erreicht hat, wartet man erst einmal zwei Tage mit einer weiteren Steigerung ab, denn eine Charakteristik in der Behandlung mit Ingwer ist, dass er erst etwa zwei Tage nach Erreichen der notwendigen Menge deutlich beginnt Wirkung zu zeigen, wobei sich diese dann meistens noch in den nächsten Tagen etwas steigert.

Den Ingwer gibt man in der erforderlichen Menge solange, bis die Entzündung ausgeheilt ist und senkt dann die tägliche Menge wieder kontinuierlich ab. Es versteht sich von selbst, dass bis zur Ausheilung die Schmerzlosigkeit nicht zur Arbeit eines Pferdes ausgenutzt werden darf, da sich sonst die Ursache der niedergehaltenen Entzündung verschlimmern kann. Prinzipiell zählt Ingwer, obwohl ein Nahrungsmittel, zu den Dopingmitteln .Daher sind auch bereits das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen sowie die FN darüber informiert!

Für alte Pferde scheint eine dauerhafte Gabe bis Lebensende von etwa der Hälfte der oben angegebenen Menge gesundheitlich von Vorteil zu sein. Das Blut wird dünner, Heilungen finden auch in den schlechter durchbluteten Extremitäten schneller statt. Thrombosen verschwinden langsam oder werden schwächer, Beine laufen weniger an, der Kreislauf wird entlastet, der Fellwechsel scheint schneller anzulaufen. Die Pferde werden wieder „jünger“.

Dies hängt mit den auch schon beim Menschen beobachteten Wirkungen des Ingwers aufgrund seiner Gesamtheit an Inhaltsstoffen zusammen: Hemmungen der Plättchenaggregation im Blut, vasodilatorische Wirkung, Steigerung des Stoffwechsels, verdauungsfördernd, vermutlich auch antikarzinogen.
Er wird seit langem gegen Seekrankheit und bei Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. In früheren Zeiten wurde Ingwer auch gereicht, um einige Heilkräuter magenverträglicher zu machen. Auch bei Magengeschwüren wurden gute Ergebnisse erzielt. In einigen Ländern gilt er als Aphrodisiakum. In China wird Ingwer mit einem langen Leben in Verbindung gebracht. Neueste Untersuchungen (Veröffentlichung durch die Amerikanische Vereinigung für Krebsforschung am 2003) belegen für Ingwer bei Mäusen eine deutliche hemmende Wirkung bei Darmkrebs. Abgesehen vom Einsatz beim Menschen, der aus diesem Grund jetzt genauer untersucht werden soll, könnte man sich daher auch eine Wirkung auf Melanome bei Pferden vorstellen.

Erste Versuche haben bei langfristiger Fütterung von Ingwer in einer Dosis von bereits 7,5 Gramm pro Tag (Warmblüter) eine sehr deutliche Verminderung im Wurmbefall ergeben. Auch ein Tier, das erst 3 Wochen lang Ingwer erhielt, war laut Befund „wurmfrei“.
Der Befall scheint somit auf sehr niedrigem Niveau gehalten werden zu können, was gegenüber der bisherigen Praxis mittels Wurmkuren eigentlich von Vorteil wäre. Es ist aber noch zu früh. Ingwer gegen Würmer zu empfehlen, da die Datenbasis noch zu schmal ist. Die sichere Wirksamkeit und die notwendige Dauer der Anwendung muss erst noch in weiteren Untersuchungen belegt werden. Immerhin ist aber schon bei Menschen bekannt, dass Gewürze Parasitenbefall niederhalten können. Ich möchte betonen, dass Ingwer den Tierarzt nicht ersetzen kann und soll. Ingwer sollte nur eingesetzt werden, wenn die tierärztliche Diagnose feststeht oder die eigene sicher ist, oder es sich um altersbedingte Schäden handelt, bei denen man sowieso nur noch Symptome behandeln kann.

(Quelle: TERRAHIPP)

 
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